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Mindestlohn Schweiz 2026: die offiziellen Beträge pro Kanton

Kurz gesagt

Die Schweiz hat keinen nationalen Mindestlohn. Fünf Kantone legen einen per Gesetz fest: 2026 beträgt der Mindestlohn CHF 24.59 pro Stunde in Genf, 22.20 in Basel-Stadt, 21.40 im Jura, 21.35 in Neuenburg und je nach Branche 20.00 bis 20.50 im Tessin. Dazu kommt die Stadt Luzern mit einem eigenen Mindestlohn von 22.75. Zürich und Winterthur haben einen beschlossen, doch in beiden Städten gilt er noch nicht.

Alle diese Beträge sind brutto, also vor Abzug der Sozialversicherungsbeiträge und Steuern. Sie sind eine Untergrenze für jede Arbeitsstunde, und ob ein konkretes Stellenangebot sie erreicht, entscheidet sich im Detail. Nehmen wir Marta, 26, die in Porto in Restaurants gekocht hat, aber kein Schweizer Diplom besitzt. Sie hat zwei Angebote für eine Stelle in der Küche, beide Vollzeit mit 42 Stunden pro Woche. Ein Hotel in Genf bietet CHF 4'000 im Monat, 13-mal im Jahr ausbezahlt (ein 13. Monatslohn ist in der Schweiz üblich). Ein Restaurant in Lugano bietet CHF 3'713 im Monat, ebenfalls 13-mal. Eines der beiden Angebote verstösst gegen das Gesetz, und es ist nicht das tiefere. Wir rechnen ihre beiden Angebote Abschnitt für Abschnitt durch.

Welche Kantone haben 2026 einen Mindestlohn?

In der Schweiz legen Kantone und Städte die gesetzlichen Mindestlöhne fest. Über einen nationalen Mindestlohn von CHF 22 pro Stunde wurde im Mai 2014 abgestimmt, und 76% der Stimmenden lehnten ihn ab. Heute haben fünf Kantone und eine Stadt einen eigenen, und alle veröffentlichen ihren Betrag auf einer offiziellen Seite:

Wo 2026, pro Stunde, brutto 2025 Offizielle Seite
Genf CHF 24.59 CHF 24.48 ge.ch
Stadt Luzern CHF 22.75 keiner stadtluzern.ch
Basel-Stadt CHF 22.20 CHF 22.00 bs.ch
Jura CHF 21.40 CHF 21.40 jura.ch
Neuenburg CHF 21.35 CHF 21.31 ne.ch
Tessin CHF 20.00–20.50, je nach Branche CHF 20.00–20.50 ti.ch

Wenn Sie andere Zahlen gesehen haben, sind es meist alte. Die 21.31 für Neuenburg waren der Betrag von 2025. Die 21.00 für Basel-Stadt waren der Startbetrag von 2022. Die 19.50 für das Tessin stammen aus der Zeit vor 2025, und 20.50 allein ist nur das obere Ende der Tessiner Spanne. Manche Tabellen führen auch Zürich mit 23.90 auf oder schreiben, das Wallis habe einen Mindestlohn angenommen. Beides stimmt bisher nicht, wir erklären weiter unten, warum.

Balkendiagramm der Mindeststundenlöhne 2026: Genf 24.59, Stadt Luzern 22.75, Basel-Stadt 22.20, Jura 21.40, Neuenburg 21.35, Tessin 20.00 bis 20.50 je nach Branche; für 2027 Genf 24.73 und Tessin 20.50 bis 21.00
Die Mindeststundenlöhne 2026 in den fünf Kantonen und der Stadt Luzern, brutto, mit den bereits festgelegten Beträgen 2027 für Genf und das Tessin. Quellen: offizielle Seiten der Kantone und der Stadt.

Überall sonst, auch in Zürich, Bern, der Waadt und im Wallis, gibt es 2026 keinen allgemeinen Mindestlohn. Viele Branchen haben trotzdem eine Untergrenze über einen Gesamtarbeitsvertrag, wie wir noch sehen. Zur Einordnung: Diese Mindestlöhne liegen weit unter den üblichen Schweizer Löhnen. Der Medianlohn für eine Vollzeitstelle betrug 2024 CHF 7'024 im Monat, wie das Bundesamt für Statistik meldet.

Kanton für Kanton

Jeder Kanton hat ein eigenes Gesetz erlassen, und die Unterschiede bestimmen, was Ihnen zusteht.

Mindestlohn Genf: CHF 24.59, ab Januar 24.73

Genf hat den höchsten kantonalen Mindestlohn: CHF 24.59 pro Stunde seit dem 1. Januar 2026, nach 24.48 im Jahr 2025. Er ist indexiert, steigt also jedes Jahr mit den Konsumentenpreisen in Genf, und der Kanton hat für 2027 bereits CHF 24.73 festgelegt.

Text der Mindestlohnseite des Kantons Genf auf Französisch, mit dem Mindestlohn 2026 von 24.59 Franken pro Stunde, 4'262.27 Franken im Monat bei 40 Wochenstunden, 4'368.82 bei 41 Stunden und 24.73 Franken im Jahr 2027
Die offiziellen Zahlen von Genf: CHF 24.59 pro Stunde 2026, die Monatsbeträge bei 40 und 41 Wochenstunden und CHF 24.73 für 2027. Quelle: ge.ch, abgerufen am 15. Oktober 2026.

Zwei Regeln sind für Marta wichtig. Erstens ersetzt der Mindestlohn nach dem Genfer Gesetz jeden tieferen Lohn in einem Arbeitsvertrag oder einem Gesamtarbeitsvertrag. Ein Gesamtarbeitsvertrag (GAV, auf Französisch CCT) ist ein Vertrag zwischen Gewerkschaften und Arbeitgebern, der Löhne und Arbeitszeiten für eine ganze Branche regelt. Zweitens: Wird Ihr Lohn 13-mal im Jahr ausbezahlt, muss der Grundlohn 2026 mindestens CHF 22.70 pro Stunde betragen. Mit dem 13. Monatslohn kommen Sie so übers Jahr auf 24.59 pro Stunde.

Martas Genfer Angebot fällt bei diesem Test durch. Eine 42-Stunden-Woche ergibt 182 Stunden im Monat (42 × 52 ÷ 12). Ihre CHF 4'000 geteilt durch 182 ergeben 21.98 pro Stunde, weniger als 22.70. Damit es legal ist, muss das Hotel mindestens CHF 4'131.40 im Monat zahlen, 13-mal, also CHF 1'708 im Jahr mehr als angeboten. Das kantonale Arbeitsinspektorat OCIRT kann Arbeitgeber mit bis zu CHF 30'000 büssen und veröffentlicht eine Liste der Firmen, die den Mindestlohn nicht zahlen.

Mindestlohn Basel-Stadt: CHF 22.20

Der Mindestlohn in Basel-Stadt beträgt 2026 CHF 22.20 pro Stunde. Er wurde im Juli 2022 mit 21.00 eingeführt und wird jeweils im Januar der Teuerung angepasst. Wer im Stundenlohn arbeitet, erhält die Ferienentschädigung zusätzlich; mit vier Wochen Ferien sind es dann insgesamt CHF 24.14 pro Stunde.

Der Haken versteckt sich in einem Satz auf der Seite des Kantons: In einer Branche mit einem allgemeinverbindlich erklärten Gesamtarbeitsvertrag gilt der Basler Mindestlohn nicht. Allgemeinverbindlich heisst, dass Bund oder Kanton den Vertrag auf alle Arbeitgeber der Branche ausgedehnt haben, auch auf jene, die keinem Arbeitgeberverband angehören. Würde Marta also in ein Basler Restaurant wechseln, wären die 22.20 des Kantons nicht ihre Untergrenze: Das Gastgewerbe hat einen eigenen GAV, zu dem wir weiter unten kommen.

Mindestlohn Neuenburg: CHF 21.35

Neuenburg hatte 2017 als erster Kanton einen Mindestlohn. Der Betrag für 2026 liegt bei CHF 21.35 pro Stunde; die 21.31, die Sie vielleicht anderswo sehen, waren der Betrag von 2025, wie die Tabelle der früheren Beträge des Kantons zeigt. Er wird jedes Jahr an die Schweizer Konsumentenpreise angepasst, und das kantonale Amt für Arbeitsbedingungen, das ORCT, prüft, ob die Arbeitgeber ihn zahlen. Neuenburg kennt auch einige der weitesten Ausnahmen, für kleine Jobs und für Ferienjobs von Studierenden, die wir weiter unten auflisten.

Mindestlohn Jura: CHF 21.40

Der Mindestlohn im Jura liegt seit dem 1. Juli 2024 bei CHF 21.40 pro Stunde, ist also 2025 und 2026 gleich. Anders als in Genf steigt er nicht von selbst: Die Regierung entscheidet, wann sie ihn anpasst, wie 2024, nachdem die Preise seit der letzten Anpassung um 3.6% gestiegen waren. Ein 13. Monatslohn wird an die 21.40 angerechnet, die Ferienentschädigung und die Entschädigung für den 1. August kommen aber zusätzlich dazu.

Wie Basel-Stadt nimmt der Jura Branchen mit einem allgemeinverbindlichen GAV aus, der einen Mindestlohn festlegt, und auch Firmen, die selbst einen solchen Vertrag unterzeichnet haben. Der Kanton fügt hinzu, dass die Normalarbeitsverträge für den Detailhandel, die Landwirtschaft und die Hauswirtschaft andere Beträge vorsehen können. Ein Normalarbeitsvertrag (NAV, auf Französisch CTT) enthält Mindestbedingungen, die der Staat für eine Branche ohne Gesamtarbeitsvertrag festlegt.

Mindestlohn Tessin: CHF 20.00 bis 20.50, je nach Branche

Das Tessin hat nicht einen einzigen Betrag. Sein Mindestlohn beträgt 55% des nationalen Medianlohns der jeweiligen Branche, 2026 aber nie weniger als CHF 20.00 und nie mehr als 20.50 pro Stunde. Der Hochbau liegt mit 20.50 ganz oben, die Nahrungsmittelherstellung und die Arbeit in Privathaushalten liegen bei 20.00. Die Seite des Kantons bietet einen Rechner nach Branche.

Die Spanne steigt von jetzt an jedes Jahr: 20.50 bis 21.00 ab dem 1. Januar 2027, 21.00 bis 21.50 im Jahr 2028 und 21.75 bis 22.25 im Jahr 2029, gemäss einer Gesetzesänderung vom April 2026. Ab 2030 folgt sie den Konsumentenpreisen, wie die FAQ des Kantons festhalten. Wer im Stundenlohn arbeitet, erhält im Tessin zusätzlich die Ferienentschädigung und 3.60% für Feiertage.

Hier kommt Martas Angebot aus Lugano ins Spiel. 2026 gilt das Tessiner Gesetz nicht für Stellen, die unter einen allgemeinverbindlichen GAV fallen, und das Gastgewerbe hat einen. Die Untergrenze des Restaurants ist also der GAV des Gastgewerbes, nicht die kantonale Spanne. Ab 2027 hat der kantonale Mindestlohn Vorrang vor tieferen Gesamtarbeitsverträgen, doch Verträge, die vor 2026 unterzeichnet wurden, haben bis Ende 2029 Zeit, um nachzuziehen.

Mindestlohn Stadt Luzern: CHF 22.75

Die Stadt Luzern hat seit dem 1. Januar 2026 einen eigenen Mindestlohn: CHF 22.75 pro Stunde für Arbeit, die in der Stadt geleistet wird. Am 27. September 2026 lehnten die Stimmberechtigten der Stadt seine Abschaffung ab, mit 67.6% zu 32.4%. Kontrollieren wird ihn eine externe Stelle, die die Stadt noch bestimmen muss, und eine Mindestlohnkommission, die noch aufgebaut wird, nimmt Meldungen über mögliche Unterbezahlung entgegen. Bis dahin verweist die Stadt Arbeitnehmende an das Arbeitsgericht oder die Schlichtungsbehörde.

Mindestlohn Zürich und Winterthur: beschlossen, aber noch nicht in Kraft

Wenn Sie in Zürich arbeiten, gibt es noch keinen gesetzlichen Mindestlohn. Die Stimmberechtigten der Städte Zürich und Winterthur haben am 18. Juni 2023 einen angenommen: CHF 23.90 pro Stunde in Zürich und 23.00 in Winterthur. Das kantonale Verwaltungsgericht hob beide auf, doch am 12. Mai 2026 gab das Bundesgericht den Städten recht.

Keine der beiden Städte hat bisher festgelegt, ab wann er gilt. Zürich will das Datum mindestens sechs Monate im Voraus bekannt geben, und Winterthur sieht nach dem Inkrafttreten eine Übergangsfrist von einem Jahr vor. Die Zürcher Regel nimmt Arbeitnehmende unter 25 aus, die nicht mindestens ein eidgenössisches Berufsattest nach einer zweijährigen Lehre (EBA) haben, was für junge Zugezogene wichtig ist. Solange nicht feststeht, ab wann er gilt, schuldet Ihnen ein Arbeitgeber in Zürich das, was Ihr Vertrag, ein GAV oder ein NAV vorsieht, und nicht mehr.

Geht ein GAV dem kantonalen Mindestlohn vor?

Oft ja, und genau das fehlt in den meisten Lohntabellen. In Basel-Stadt und im Jura, und 2026 auch im Tessin, ersetzt ein allgemeinverbindlicher GAV den kantonalen Mindestlohn, selbst wenn sein Lohn tiefer ist. In Genf und Neuenburg geht der kantonale Mindestlohn vor. So oder so ist bei vielen Stellen der GAV massgebend. Hier ist der GAV, der für Marta gilt.

Der Landes-Gesamtarbeitsvertrag des Gastgewerbes, der L-GAV, gilt für Hotels, Restaurants und Bars in der ganzen Schweiz. Seine monatlichen Mindestlöhne für Vollzeitangestellte ab 18 Jahren hängen von der Ausbildung ab:

Stufe Ausbildung 2026 2027
Ia Ohne Berufslehre CHF 3'713 CHF 3'735
II Zweijährige Lehre (EBA) CHF 4'070 CHF 4'094
IIIa Dreijährige Lehre mit Fähigkeitszeugnis (EFZ) CHF 4'528 CHF 4'555
IV Eidgenössische Berufsprüfung CHF 5'293 CHF 5'325

Die normale Woche nach L-GAV hat 42 Stunden, in Saisonbetrieben 43.5 und in Kleinbetrieben 45. Die Angestellten erhalten einen vollen 13. Monatslohn, Teilzeitangestellte anteilsmässig. Eine Klausel trifft Neuzugezogene: Wer noch nie vier Monate in einem Schweizer Gastgewerbebetrieb gearbeitet hat, dem kann der Mindestlohn der Stufe Ia in den ersten 12 Monaten um bis zu 8% gekürzt werden, wenn der Vertrag das schriftlich festhält.

Jetzt lassen sich Martas zwei Angebote vergleichen. In Lugano ist ihre Untergrenze die Stufe Ia: CHF 3'713 × 13, also CHF 48'269 im Jahr, genau das, was das Restaurant angeboten hat. Nach unserer Rechnung sind das bei einer 42-Stunden-Woche etwa CHF 22.10 pro Stunde, mehr als die Tessiner Spanne. In Lugano setzt also der GAV, nicht der Kanton, ihre Untergrenze, und es ist die höhere der beiden. Mit der Kürzung von 8% zu Beginn könnte ihr das Restaurant im ersten Jahr legal etwa CHF 44'400 zahlen. In Genf hebt sie der kantonale Mindestlohn auf mindestens CHF 53'708. Zum gesetzlichen Minimum verdient sie in Genf also etwa CHF 5'400 mehr im Jahr, Miete und andere Kosten nicht eingerechnet.

Ausserhalb von Genf haben Angestellte in Privathaushalten eine eigene Untergrenze: einen Normalarbeitsvertrag des Bundes, der für alle gilt, die mindestens fünf Stunden pro Woche für denselben Haushalt arbeiten. 2026 schreibt er CHF 20.35 pro Stunde für Ungelernte vor, 22.30 mit vier Jahren Erfahrung oder EBA und 24.55 mit EFZ. Tagesmütter und Babysitter sind nicht erfasst. Für andere Branchen führt das Staatssekretariat für Wirtschaft SECO eine Liste der allgemeinverbindlichen GAV mit ihren Lohnbestimmungen.

Wie hoch ist der Mindestlohn pro Monat?

Das hängt von Ihren Stunden ab, und deshalb widersprechen sich die Monatszahlen im Netz. Die Methode ist überall gleich: der Mindeststundenlohn mal Ihre Wochenstunden mal 52, geteilt durch 12. Genf veröffentlicht CHF 4'262.27 im Monat für 40 Wochenstunden und 4'368.82 für 41. Basel-Stadt veröffentlicht 3'847.93, 3'944.27 und 4'040.40 für 40, 41 und 42 Stunden. Neuenburg, der Jura und das Tessin veröffentlichen keinen Monatsbetrag.

Viele Vergleichsseiten geben den Genfer Mindestlohn mit etwa CHF 4'475 im Monat an. Das sind 24.59 bei einer 42-Stunden-Woche. Für Marta mit ihren 42 Stunden stimmt diese Zahl, doch der Kanton selbst nennt sie nicht, und bei 40 Stunden ist sie zu hoch.

Ein 13. Monatslohn verändert den Monatsbetrag, nicht den Jahresbetrag. Alle hier genannten Kantone rechnen ihn an den Mindestlohn an. Ein tieferer Monatslohn, der 13-mal ausbezahlt wird, kann also legal sein. Genf, Basel-Stadt und Neuenburg veröffentlichen den tiefsten Grundlohn, den sie 2026 akzeptieren: CHF 22.70, 20.49 und 19.71 pro Stunde, also der Mindestlohn mal 12 geteilt durch 13. Basel-Stadt rechnet den 13. Monatslohn nur an, wenn er anteilsmässig mit jedem Monatslohn ausbezahlt wird, wie die FAQ des Kantons erklären.

Wer im Stundenlohn arbeitet, erhält die Ferienentschädigung immer zusätzlich zum Mindestlohn:

  • 8.33% bei vier Wochen Ferien im Jahr, dem gesetzlichen Minimum ab 20 Jahren
  • 10.64% bei fünf Wochen, dem gesetzlichen Minimum unter 20 Jahren
  • 0.39% für den 1. August in Basel-Stadt oder 3.60% für Feiertage im Tessin

Im Tessin wird zum Beispiel aus einem Mindeststundenlohn von CHF 20.50 mit vier Wochen Ferien und den Feiertagen etwa 23.00, wie die FAQ des Kantons vorrechnen. Auf Ihrer Lohnabrechnung sollte die Ferienentschädigung als eigene Zeile erscheinen.

Für wen der Mindestlohn nicht gilt

Die Ausnahmen unterscheiden sich stärker als die Beträge. Die wichtigsten Ausnahmen und wo sie gelten:

  • Lernende: überall, auch in der Stadt Luzern.
  • Praktikantinnen und Praktikanten, deren Praktikum zur Ausbildung gehört: Genf; Neuenburg; das Tessin, wenn das Praktikum zu einem anerkannten Abschluss führt; Basel-Stadt und Luzern bis sechs Monate; der Jura für zwei Wochen Schnupperlehre oder sechs Monate im Austausch.
  • Jugendliche: Genf nimmt alle unter 18 aus; Basel-Stadt und Luzern nehmen Schülerinnen und Schüler unter 18 in Ferienjobs aus; das Tessin nimmt unter 18-Jährige mit leichten Arbeiten aus.
  • Studierende in Ferienjobs: In Genf erhalten sie während höchstens 60 Tagen im Jahr 75% des Mindestlohns; Neuenburg nimmt Studierende unter 25 für höchstens drei Monate im Jahr aus.
  • Familienmitglieder im Familienbetrieb: Basel-Stadt, Jura und Tessin.
  • Au-pairs: Neuenburg, Basel-Stadt, Tessin und Luzern.
  • Personen in Integrationsprogrammen der Arbeitslosenversicherung, der Invalidenversicherung oder der Sozialhilfe: überall ausser in Genf.
  • Sehr kleine Jobs: in Neuenburg Arbeit, die CHF 2'500 im Jahr oder weniger einbringt; in Basel-Stadt Arbeit auf Abruf bis 70 Stunden im Jahr beim selben Arbeitgeber.

Marta, 26 und in einer normalen Anstellung, fällt unter keine dieser Gruppen.

Was sich als Nächstes ändert

Mehrere Daten stehen bereits fest, und zwei Entscheide sind noch offen.

Zeitstrahl: Abstimmung im Wallis am 29. November 2026; Genf 24.73 und Tessin 20.50 bis 21.00 ab Januar 2027; eidgenössische Abstimmung frühestens 2027; Tessiner Erhöhungen 2028 und 2029; noch kein Startdatum für Zürich und Winterthur
Bereits festgelegte und noch offene Daten zum Mindestlohn, nach den offiziellen Seiten der Kantone und Städte und dem Gesetzestext des Bundes.

Das Wallis stimmt am 29. November 2026 über eine Volksinitiative für einen Mindestlohn von CHF 22 pro Stunde ab, mit 18 für die Landwirtschaft. Staatsrat und Grosser Rat empfehlen die Initiative zur Ablehnung, der Grosse Rat mit 93 zu 33 Stimmen. Solange kein Gesetz in Kraft ist, hat das Wallis keinen Mindestlohn. In der Waadt haben die Stimmberechtigten im Juni 2026 den Grundsatz eines Mindestlohns in die Kantonsverfassung aufgenommen, aber beide Vorlagen abgelehnt, die einen Betrag festlegten; dort gilt also noch nichts.

Die grössere Änderung könnte aus Bern kommen. Im Juni 2026 hat das eidgenössische Parlament eine Änderung des Bundesgesetzes über die Allgemeinverbindlicherklärung von Gesamtarbeitsverträgen verabschiedet. Danach gehen die Mindestlöhne eines allgemeinverbindlichen GAV den kantonalen Regeln vor. In Kantonen, in denen heute der kantonale Mindestlohn Vorrang hat, vor allem in Genf und Neuenburg, würden die Angestellten dieser Branchen den kantonalen Betrag behalten, der beim Inkrafttreten gilt. Dieser Betrag bliebe eingefroren, bis der Mindestlohn des GAV ihn übersteigt. Für Marta in Genf hiesse das, dass ihre Untergrenze nicht mehr jeden Januar steigt, bis der L-GAV aufholt.

Die Änderung ist nicht in Kraft. Gewerkschaften und linke Parteien haben am 7. Oktober 2026 über 100'000 Unterschriften dagegen eingereicht, doppelt so viele wie die 50'000, die für ein Referendum nötig sind, berichtete SRF. Sobald die Bundeskanzlei die Unterschriften bestätigt hat, kommt das Gesetz vors Volk; SRF rechnet mit einer Abstimmung im Februar oder Juni 2027. Laut SRF wären auch städtische Mindestlöhne wie jener von Luzern betroffen.

Was tun, wenn Sie weniger als den Mindestlohn erhalten?

Dann steht Ihnen die Differenz zu, und Sie können sie einfordern. Rechnen Sie zuerst mit der Methode oben Ihren tatsächlichen Stundenlohn aus und zählen Sie einen 13. Monatslohn mit, falls Sie einen erhalten. Liegt er zu tief, bitten Sie Ihren Arbeitgeber schriftlich, ihn zu korrigieren, und zwar in der Sprache Ihres Arbeitsorts. Für Marta in Genf könnte das so lauten:

Sehr geehrte Damen und Herren

Mein Vertrag sieht einen Lohn von CHF 4'000 im Monat vor, 13-mal im Jahr ausbezahlt, für 42 Stunden pro Woche. Das ergibt CHF 21.98 pro Stunde. Der Genfer Mindestlohn für 2026 beträgt CHF 24.59 pro Stunde. Bei 13 Monatslöhnen muss der Grundlohn mindestens CHF 22.70 pro Stunde betragen. Ich bitte Sie, mir ab sofort mindestens CHF 4'131.40 im Monat zu zahlen und die Differenz seit meinem ersten Arbeitstag nachzuzahlen. Für Ihre Antwort bis zum 15. Dezember danke ich Ihnen.

Freundliche Grüsse

Wenn sich nichts ändert, sind dies die Stellen, die den Mindestlohn kontrollieren:

Wo Wer kontrolliert Was die Stelle tun kann
Genf OCIRT, das Arbeitsinspektorat Kontrollen, Bussen bis CHF 30'000, Nennung des Arbeitgebers auf einer öffentlichen Liste
Basel-Stadt Arbeitsmarktaufsicht beim AWA Kontrollen, Bussen bis CHF 30'000
Neuenburg ORCT, das Amt für Arbeitsbedingungen Kontrolle der Arbeitgeber
Jura Arbeitsgericht (Conseil de prud'hommes), Porrentruy Entscheid über Ihre Lohnforderung
Tessin Arbeitsinspektorat Kontrollen, Busse von 160% der unbezahlten Löhne, bis CHF 30'000
Stadt Luzern Mindestlohnkommission, im Aufbau Nimmt Meldungen entgegen; bis dahin Arbeitsgericht oder Schlichtungsbehörde

Das Tessin hat zudem ein Onlineformular für Meldungen über Unterbezahlung, und Neuenburg nennt die Kontaktdaten seiner Kontrollstelle auf der Seite zu den Arbeitsbedingungen. Die Stellen kontrollieren und büssen Arbeitgeber, aber die Nachzahlung ist Ihre eigene Forderung, die Sie am Ende vor einem Arbeitsgericht geltend machen, wenn sich Ihr Arbeitgeber weigert. Zwei Regeln aus dem Bundesrecht helfen Ihnen dabei. Lohnforderungen verjähren erst nach fünf Jahren, Sie können die Differenz also auch dann noch einfordern, wenn Sie die Stelle schon verlassen haben. Und bei Streitigkeiten aus dem Arbeitsverhältnis bis CHF 30'000 fallen keine Gerichtskosten an.

Bevor Sie einen Vertrag unterschreiben

Verlangen Sie drei Dinge schriftlich: den Bruttolohn, die Wochenstunden und die Zahl der Lohnzahlungen pro Jahr. Damit können Sie jedes Angebot in zwei Minuten mit den Tabellen oben vergleichen. Fragen Sie dann, ob ein GAV für die Stelle gilt und in welche Stufe Sie eingeteilt sind. Im Gastgewerbe kann ein ausländisches Diplom einem Schweizer Abschluss gleichgestellt werden, was Sie von CHF 3'713 auf bis zu 4'528 im Monat bringt; achten Sie also darauf, dass die Stufe im Vertrag steht.

Marta hat dem Genfer Hotel ihre Zahlen geschickt und CHF 4'131.40 verlangt, 13-mal im Jahr, mit Anpassung an den Genfer Betrag jeweils im Januar. Wenn Sie für eine Stelle wie ihre einen Umzug erwägen, sind die Stellen im Gastgewerbe in Genf ein guter Ausgangspunkt, um zu vergleichen, was Arbeitgeber tatsächlich bieten.

Häufige Fragen

Gilt der Mindestlohn auch für Grenzgänger?
Ja. Massgebend ist, wo Sie gewöhnlich arbeiten, nicht wo Sie wohnen. Das Genfer Gesetz erfasst alle, die gewöhnlich im Kanton arbeiten, und das Tessiner Gesetz jede Arbeit, die im Kanton geleistet wird, auch Temporärangestellte und Arbeitnehmende, die von ausländischen Firmen entsandt werden. Wer aus Frankreich nach Genf zur Arbeit pendelt, hat 2026 Anspruch auf mindestens CHF 24.59 pro Stunde.
Ist der Mindestlohn brutto oder netto?
Brutto. Alle Beträge in diesem Artikel sind Bruttolöhne: Davon gehen die Sozialversicherungsbeiträge ab und, falls Sie quellensteuerpflichtig sind, auch die Quellensteuer. Was auf Ihrem Konto ankommt, liegt also unter dem Mindestlohn, und das ist rechtens.
Darf man einen Lohn unter dem Mindestlohn vereinbaren?
Nein. Das Tessiner Gesetz hält fest, dass auf den Mindestlohn nicht zum Nachteil der Arbeitnehmenden verzichtet werden kann, und das Genfer Gesetz ersetzt einen tieferen Lohn im Vertrag durch den gesetzlichen Mindestlohn. Auch wenn Sie einen Vertrag mit einem tieferen Lohn unterschreiben, behalten Sie Ihren Anspruch auf die Differenz.
Wie hoch ist der Mindestlohn in der Landwirtschaft?
Tiefer, wo es einen gibt. Genf legt für Landwirtschaft und Blumenanbau 2026 CHF 18.07 pro Stunde fest und 2027 18.17, Neuenburg 18.15 für Landwirtschaft, Weinbau und Gartenbau. Das Tessiner Gesetz gilt für Angestellte in der Landwirtschaft gar nicht, und die Walliser Initiative schlägt für die Landwirtschaft 18 Franken vor.

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